Tag des Handwerks am 15. September: Für diesen Moment geben wir alles

Zum Motto "Für diesen Moment geben wir alles" hat das Handwerk Geschichten von Handwerkern/innen aus ganz Deutschland gesammelt und nun auf handwerk.de veröffentlicht.

Wir sind mehr als stolz, auch die Geschichte von Simone Schanzer, einer unserer Mitarbeiterinnen in der Stickerei, dort lesen zu dürfen und hoffen, gemeinsam mit ihr noch viele dieser "Stolz-Momente" erleben zu dürfen.

Die Veröffentlichung auf handwerk.de finden Sie hier sowie unten stehend ihre ganze Geschichte.

 

„Wenn ich ein Logo sehe, das ich selbst gestickt habe, macht mich das unheimlich stolz“

„Alles begann 2009 mit einem Mädelsabend. Meine Freundin Gabriele Antholzer und ich saßen gemütlich bei mir daheim auf der Couch, als sie mir ganz aufgeregt erzählte, dass sie ihren Job im Krankenhaus kündigen und sich selbständig machen wolle. Und zwar mit ihrer kleinen Stickmaschine für den Hobby-Gebrauch! Ich fand das total mutig, traute ihr aber durchaus zu, dass sie das schaffen würde. Und dann sagte ich den Satz, der mein Leben völlig verändern sollte: „Gabi, wenn du mal Hilfe brauchst, dann sag´s, ich helfe dir gern.“

Vier Wochen später hatte ich meine Stelle als Zahnarzthelferin an den Nagel gehängt und war voll bei Gabi eingestiegen. Ich hatte ja vorher schon viel Spaß an handwerklichen Dingen gehabt, habe selbst genäht, gestrickt, gehäkelt und gemeinsam mit meinem Mann unser Haus renoviert. Die Stickerei aber hat mich so richtig gepackt. Ich fand es spannend, mich von null in die Materie hineinzuarbeiten. 


Gemeinsam standen Gabriele und ich nächtelang an der Maschine und tüftelten Techniken aus, um die Stick-Ergebnisse noch weiter zu optimieren. Klar, dass wir anfänglich viel Lehrgeld bezahlen und so manche Arbeit wieder auftrennen mussten. Aber aus jedem Fehler haben wir gelernt, und mit jedem sind wir sicherer geworden.

Jetzt sind es fast zehn Jahre, die ich bei der Firma Antholzer arbeite. Ich bin stolz zu sehen, dass ich meinen Teil dazu beigetragen habe, dass aus dem einstigen Ein-Frau-Betrieb heute ein erfolgreiches Unternehmen mit mittlerweile 22 Mitarbeitern geworden ist. Stolz bin ich aber auch auf mich selbst – dass ich meinem Herz gefolgt bin und mich auf neues Terrain gewagt habe.

Mittlerweile sitze ich nicht nur an der Stickmaschine, sondern kümmere mich gemeinsam mit der Chefin um Aufträge und Dienstpläne und schaue, dass in der Stickerei alles rund läuft. Ich erstelle sogar Stick-Karten aus den Grafik-Dateien, die wir von unseren Kunden erhalten. Dieses sogenannte „Punchen“ ist, genauso wie das Sticken, nach wie vor reines Handwerk. Denn auch wenn die Stickmaschinen mittlerweile Computer-gesteuert laufen – um letztendlich jene Qualität zu erreichen, die unsere Kunden so schätzen, ist noch immer der geschulte Blick eines Menschen nötig, der sein Handwerk versteht. Denn wenn die Einstellungen nicht passen, kann auch die beste Maschine kein gutes Stickbild erzeugen. Der schönste Moment ist für mich, wenn ich auf der Jacke eines Handwerkers oder der Bluse einer Bäckereiverkäuferin ein Firmenlogo sehe, das ich selbst gestickt habe. Das macht mich unheimlich stolz und glücklich. Für solche Momente gebe ich alles!“

 

 

Vilsbiburg, 15.09.2018

zur Übersicht